Lehre im Bereich Palliative Care

(cax) Die Vermittlung von palliativmedizinischen Lerninhalten in der studentischen Ausbildung soll dazu beitragen, die Regelversorgung schwerkranker und sterbender Patienten zu verbessern. Dabei sollten sowohl theoretisches Basiswissen (knowledge) und praxisbezogene Fertigkeiten (skills) vermittelt und als eigene Wertvorstellungen (attitudes) reflektiert werden.

 

Palliativmedizin im Medizinstudium

Im Rahmen der universitären ärztlichen Ausbildung (Approbationsordnung) ist daher seit Sommer 2009 vorgesehen, dass alle angehenden Ärzte im Rahmen ihres Medizinstudiums 40h Grundlagenwissen im Bereich Palliativmedizin absolvieren müssen. Dieser Ausbildungsabschnitt wird als Querschnittsfach "QB13" bezeichnet.

Die formale Implementierung der palliativmedzinischen Versorgung schwerstkranker Patienten in das studentische Curriculum als Pflichtlehr- und Prüfungsfach stellt die Hochschulen vor Herausforderungen. Dies liegt daran, dass die Hochschulen im Bereich Palliativmedizin sehr uneinheitliche Voraussetzungen mitbringen.

Im Rahmen des KompetenzZentrums arbeiten die Medizinischen Fakultäten Baden-Württembergs zusammen, um sich gegenseitig mit Lehrkonzepten, Lernmodulen, Prüfungsfragen und Erfahrungen zu unterstützen. Angestrebt wird, eine landesweit einheitliche und qualitativ hochwertige Lehre im Bereich Palliativmedizin zu etablieren. Der Universität Freiburg, die durch einen Lehrstuhl für Palliativmedizin über die beste Infrastruktur verfügt, kommt dabei eine zentrale Aufgabe zu.

Die standortübergreifende Zusammenarbeit für ein einheitliches Curriculum und die erzielten Ergebnisse werden auf den Webseiten des KompetenzZentrums dargestellt, sobald erste Zwischenergebnisse erzielt wurden.

 

Wahlfach

Für angehende Ärzte mit weitergehendem Interesse am Bereich der Palliativmedizin gibt es die Möglichkeit, sich im Wahlfach Palliativmedizin zu vertiefen.

Da Palliative Care einen multiprofessionellen Behandlungsansatz umfasst, soll im Rahmen des Wahlfachs auch Gelegenheit zum interdisziplinären Lernen gegeben werden. Aus diesem Grund bietet sich an, das Seminar Palliative Care als interdisziplinäre Veranstaltung mit Studierenden der Humanmedizin (vorklinische und klinische Semester), der Psychologie, der Theologie, der Caritaswissenschaften und anderer Geisteswissenschaften anzubieten.

Lehrziele

Lehrziele

In der 2002 überarbeiteten Fassung der Approbationsordnung für Ärzte wird in zum Inhalt des zweiten Abschnitts der Ärztlichen Prüfung ausgeführt:

"[dass der Studierende]..die allgemeinen Regeln ärztlichen Verhaltens gegenüber dem Patienten unter Berücksichtigung insbesondere auch ethischer Fragestellungen kennt, sich der Situation entsprechend zu verhalten weiß und zu Hilfe und Betreuung auch bei chronisch und unheilbar Kranken sowie Sterbenden fähig ist."
    Approbationsordnung §28 Abs. 2 Satz 8

Lernziele

Lernziele

Gemäß den von der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) herausgebenden Lernzielen für Studierende soll die Vermittlung von palliativmedizinischen Lerninhalten dazu beitragen, dass die Regelversorgung von schwerkranken und sterbenden Patienten verbessert wird. Dies soll erreicht werden durch die Erweiterung von Fachwissen und die Sensibilisierung für die Angemessenheit diagnostischer und therapeutischer Maßnahmen. Im Einzelnen sollen in Anlehnung an die Empfehlungen der DGP im Rahmen des Wahlfaches Palliativmedizin die folgenden Lernziele vermittelt werden:
Den Studierenden soll...

verdeutlicht werden, dass die ärztliche Behandlung mehr umfasst als Diagnosestellung und Heilung. Der Erkrankte soll in seiner Ganzheit wahrgenommen, betreut und behandelt werden.

 vermittelt werden, welche medikamentösen und nichtmedikamentösen Behandlungen belastende Beschwerden wie Schmerzen und andere Krankheitssymptome lindern können.

 verdeutlicht werden, dass die palliativmedizinische Betreuung von Patientinnen und Patienten sowie Angehörigen ein Prozess ist, in dem es nicht ausschließlich um Kriseninterventionen, sondern ebenso um eine vorausschauende und vorsorgende Behandlung und Begleitung (advanced care planning) geht

 vermittelt werden, dass Betreuung und Behandlung an den individuellen Bedürfnissen, Wünschen und Wertvorstellungen der Patientinnen und Patienten orientiert werden müssen.

 bewusst gemacht werden, dass eine kompetente Betreuung schwerkranker und sterbender Menschen voraussetzt, dass die Behandelnden ihre eigene Einstellung zu Krankheit, Sterben, Tod und Trauer reflektieren sowie ihre eigenen Grenzen wahrnehmen können.

 Mut gemacht werden, die individuelle Einstellung der betroffenen Patienten und ihrer Angehörigen wahrzunehmen und zu respektieren.

 bewusst werden, dass die Qualität ärztlicher Arbeit nicht allein durch wissensbezogene Qualifizierung verbessert wird, sondern auch durch eine erweiterte Kompetenz zu kommunizieren, in einem Team zu arbeiten und ethische Fragestellungen zu berücksichtigen.

Lehrumfang und Lehrform

Lehrumfang und Lehrform

In Freiburg wurden durch die medizinische Fakultät zeitliche Rahmenbedingungen für das Wahlfach im klinischen Studienabschnitt festgelegt. Er umfasst einen Stundenrahmen von 2 SWS über 2 Semester, entsprechend einem Zeitumfang von insgesamt 56 Stunden. Diese Stundenzahl kann im Rahmen des Wahlfachs Palliativmedizin durch unterschiedliche Leistungsnachweise erreicht werden. Zum Erwerb des benoteten Wahlfachscheines werden alternativ folgende unterschiedliche Leistungsnachweise angeboten:

  • (A) Besuch des Blockseminars "Palliative Care" und Vorbereitung und Gestaltung einer Seminareinheit zu einem Thema aus dem Bereich "Palliative Care"
  • (B) Anfertigung einer schriftlichen Hausarbeit (max. 25 Seiten). Das Thema kann nach Rücksprache mit den Fachdozenten selbst formuliert oder aus einem vorgegebenen Themenpool ausgewählt werden. Die Anfertigung der schriftlichen Hausarbeit soll auch eine Möglichkeit bieten, sich orientierend mit dem Thema einer möglichen Dissertation im Fachgebiet Palliativmedizin zu befassen. (Studierende haben die Möglichkeit, im Rahmen der Hausarbeit auch ein Exposé für eine folgende Doktorarbeit zu entwerfen.)
  • (C) Nach Rücksprache mit den Fachdozenten sind für den Erwerb des Wahlfachscheines prinzipiell auch alternative Möglichkeiten nach Vorschlag der Studierenden denkbar. Die Studierenden sind daher aufgefordert, sich mit eigenen Ideen und Vorschlägen an die Fachdozenten zu wenden.

Weiterführende Informationen

Informationen rund um die Palliative Care Behandlung in Baden-Württemberg

Behandlungsrichtlinien, Konsildienste und Weiterbildungsangebot

Wissenschaftliche Informationen und Weiterbildungsangebot